Defibrillator für Großbeeren?

Defibrillator für Großbeeren?                                                                                          

Sicherlich hat jeder schon einmal davon gehört: zur Lebensrettung kann u.a. ein Defibrillator eingesetzt werden. Was ist überhaupt ein Defibrillator und wofür ist dieser? Eine Defibrillation ist eine Behandlungsmethode gegen die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und Kammerflimmern, bei der durch starke Stromstöße die normale Herzaktivität wiederhergestellt werden soll. Das verwendete Gerät nennt man Defibrillator oder im Fach-Jargon Defi.

Im letzten Jahr musste ich während der Abiturfeier meines Großcousins in Erftstadt/Liblar (hinter Köln) erleben, wie ein Lokalpolitiker nach seiner ausgesprochen persönlichen Rede vor rund 300 Gästen zusammenbrach. Zwei Ärzte aus dem Publikum leisteten sofort Erste Hilfe, ein Lehrer rannte los und holte aus dem nebenstehenden Schulgebäude einen Defibrillator, während ein weiterer Helfer den Notarzt anrief. Das Zusammenwirken dieser Maßnahmen hat dem Menschen das Leben gerettet.

Das war mein Ansporn zu prüfen, ob und wie viele Defibrillatoren in Großbeeren vorhanden sind. Die Recherche hat ergeben, dass in Großbeeren und seinen Ortsteilen – neben dem Notarzt/Rettungsdienst – bislang lediglich ein Defi existiert. Der hängt im Tennisclub Großbeeren – traurig: aus gegebenem Anlass!

Großbeeren hat einen Rettungsdienst im Ort, jedoch ist dieser- soweit bekannt – zuständig für den ganzen Landkreis Teltow-Fläming. Das bedeutet, dass im Notfall die Rettung dauern kann und eventuell ein Rettungswagen aus KW kommt, aber nicht direkt aus Großbeeren. Jede Minute zählt im Notfall! Daher ist der Seniorenbeirat der Auffassung, dass die Gemeinde weitere Defis anschaffen sollte, die in Großbeeren mit seinen Ortsteilen verteilt werden, vielleicht in Gebäuden, wo sich viele Menschen aufhalten wie z.B. Schule, Turnhalle, Gemeindesaal, Seniorentreff etc.

In seiner Sitzung vom 11.7.2017 hat der Beirat einstimmig beschlossen, für das nächste Haushaltsjahr 2018 einen Defi für den Seniorentreff anzuschaffen. Wir hoffen, dass die Investition von der Gemeindevertretung positiv beschieden wird. Schließlich ist das der Treffpunkt für unsere Senioren. Weiter ist geplant, zwei Erste-Hilfe-Kurse anzubieten, damit u.a. der richtige Umgang mit dem Gerät geübt wird. Die Handhabung soll kinderleicht sein, man kann im Grunde gar nichts falsch machen!

In diesem Zusammenhang  bedanken wir uns ganz herzlich bei der in Großbeeren lebenden Frau Verena Horn, die uns freundlicherweise Hintergrundinformationen zu diesem Thema zur Verfügung gestellt hat. Sie ist als Rettungssanitäterin und Ausbilderin bei den Johannitern kompetent in dieser Frage.

Sagen Sie uns Ihre Meinung zu dem Thema. Diskutieren Sie mit uns auf unserer Internetplattform www.seniorenbeirat-grossbeeren.de zum Thema „Was halten Sie von der Anschaffung von Defis für Großbeeren und seinen Ortsteilen?“ Sie können uns auch gerne anrufen oder ein Fax schicken.

 Diskutieren Sie mit, wir freuen uns auf den Dialog mit Ihnen!

Astrid Hustan                                                                                                     02.08.2017

Seniorenbeirat Großbeeren

 

Beispiel eines Defibrillators

Weitere Hintergrundinformationen von Frau Verena Horn aus Großbeeren – Rettungssanitäterin und Ausbilderin bei den Johannitern

Mehr als 100.000 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland am plötzlichen Herztod. Meist als Folge eines Infarktes beginnt das Herz zu “flimmern”. Beim plötzlichen Herztod kommt es auf die richtigen Maßnahmen in den ersten 5 Minuten an. Schnelle Herz-Lungen-Wiederbelebung und ein griffbereiter Defibrillator retten Leben.
Viele glauben, der plötzliche Herztod sei nur ein Problem herzkranker Menschen, aber der Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden treffen – Frauen wie Männer jeden Alters, auch Sportler.

Mit Automatisierten Externen Defibrillatoren können Laien diese Erste Hilfe leisten. Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED auch Laiendefibrillator oder kurz Laiendefi, ist ein medizinisches Gerät, welches den Herzrhythmus selbstständig analysiert und bei Bedarf einen Stromimpuls abgegeben kann. Der AED wurde speziell für die Anwendung durch Laien konzipiert und unterstützt die Laienreanimation durch akustische und optische Signale sowie gesprochene Anweisungen.

Im Gegensatz zu Defibrillatoren aus dem Rettungsdienst oder Kliniken sind AEDs wegen ihrer Bau- und Funktionsweise besonders für Laienhelfer geeignet.

Aber wie funktioniert ein Defi?

Zunächst analysiert der Defibrillator durch eine Software im Gerät die Herztätigkeit des Patienten. Wird ein Herzkammerflimmern erkannt, wird die Defibrillation freigeschaltet und per Knopfdruck angewiesen. Das Gerät übernimmt selbsttätig die Wahl und Aufladung der notwendigen Energie für den Schock. Es folgt dabei programmierten Abläufen gemäß den Empfehlungen internationaler notfallmedizinischer Gremien (ILCOR, ERC).

Eine versehentliche oder falsche Schockabgabe durch den Ersthelfer ist ausgeschlossen. Denn nur wenn das AED-Gerät ein Herzkammerflimmern sicher erkannt hat, gibt es den Knopfdruck für einen Elektroschock frei. Misst es hingegen einen Herzrhythmus, der keiner Defibrillation bedarf, fordert es den Helfer zur Herzdruckmassage auf. Die Analysesicherheit der Geräte ist sehr groß. Liegt ein Herzkammerflimmern tatsächlich vor, erkennt der Defibrillator dies mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent.

Mittlerweile ist die Anwendung eines AEDs Inhalt bei einem Erste-Hilfe- Kurs und das bereits im Oberschulalter.

Quelle: Doccheck, DGVU, Björn-Steiger-Stiftung

https://www.steiger-stiftung.de/initiativen/kampf-dem-herztod

https://www.einlebenretten.de/

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10049-015-0081-1

(Text aus den ERC Leitlinie 2015)

Section 2 of the European Resuscitation Council Guidelines for Resuscitation 2015

Weitere nützliche Links:

http://www.johanniter.de/kurse/erste-hilfe-service/erste-hilfe-online-lexikon/keine-atmung

http://www.johanniter.de/index.php?id=158694

http://www.johanniter.de/kurse/beruf-und-einsatz/johanniter-bildungsstaetten/ausbildungszentrum-berlin/erste-hilfe/erste-hilfe-freshup/

Frühe Wiederbelebung durch Notfallzeugen

Unverzüglich eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen können die Überlebensrate bei Kreislaufstillstand verdoppeln bis vervierfachen. Ein ausgebildeter Helfer soll Thoraxkompressionen und Beatmung kombinieren. Ist ein Anrufer nicht in Wiederbelebung ausgebildet, soll der Leitstellendisponent ihn oder sie anleiten, ausschließlich Herzdruckmassage durchzuführen, bis professionelle Hilfe eintrifft

Frühe Defibrillation

Defibrillation innerhalb von 3−5 min nach dem Kollaps kann die Überlebensrate auf 50–70 % erhöhen. Dies kann durch öffentlich zugängliche und hauseigene AEDs erreicht werden.  Jede Minute Verzögerung vor der Defibrillation vermindert die Wahrscheinlichkeit des Überlebens bis zur Klinikentlassung um 10–12 %. Die Glieder der Kette zusammen greifen besser: Wenn Notfallzeugen mit einer Wiederbelebung beginnen, sinken die Überlebenschancen langsamer, pro Minute Verzögerung im Mittel um 3−4 %